Lyriost – Madentiraden – www.lyriost.de

Dienstag, 26. September 2006

Klepsydra nur, Ophelia

Filed under: Lyriost Gedichte — lyriost @ 8.47

Klepsydra nur, Ophelia

Sie treibt nicht fort, ihr Haar hat sich verfangen
an einem kahlen Trauerweidenast
der Wind leckt rauh die früh verglühten Wangen
und Ratten taumeln müde im Morast.

An ihrem blauen Arm, metallzerstochen
die steifen Finger in der Plastiktüte
die Hand, in die so vieles ihr versprochen
ein Abgesang auf jede fromme Mythe.

Am Ufer keine Astern, Anemonen,
ein paar kaputte Eimer, Anglermüll
und von Verirrten, die am Tag hier wohnen
der Rest vom Flaschendosenbieridyll.

So unromantisch. Da klingt kein Chopin,
und auch von Schubert kann kein Ton hier stören.
Das tote Mädchen schaukelt im Refrain
der stillen Fluten, fern von den Souffleuren.

Man wird sie morgen aus der Brühe fischen,
wird wissen wollen, wann, warum und wie
mit Messern graben an den Eisentischen
Begründung finden, doch die Gründe nie.

Wasserleichen

Advertisements

Kryptogramm des Lebens

Filed under: Lyriost Gedichte — lyriost @ 8.46

Kryptogramm des Lebens

Dein Tun wirft Schatten
aber du prägst keine Spur
so wie der Vogel.
Und Moiren schreiben
ihr Wort
mit hartem Stift
in dein Fleisch.

Über Bewährungsproben

Filed under: Lyriost Aphorismen — lyriost @ 8.45

Über Bewährungsproben

Die einzige Bewährungsprobe, bei der wir etwas Neues über uns erfahren können, ist die Probe, von der wir nicht wissen, daß es eine ist – oder allenfalls nach einiger Zeit diffus ahnen, es könnte vielleicht eine sein. Nur wenn wir nicht unserem Willen zu bestehen unterworfen sind, können wir wirklich im Innersten bestehen.

Von Fischen und Vögeln

Filed under: Lyriost Aphorismen — lyriost @ 8.44

Von Fischen und Vögeln

Statt den fliegenden Fisch zu treten und einen Vogel zu suchen, dem man das Schwimmen beibringen will, sollte man vielleicht versuchen, den Fisch das Singen zu lehren.

Montag, 25. September 2006

Alles am richtigen Platz

Filed under: Lyriost Gedichte — lyriost @ 9.28

Alles am richtigen Platz

Erotomane sein.
Warum nicht die pralle Lust?
Aber denken mit dem Kopf

und Gefühle im Herzen
nicht nur zwischen den Beinen.

Erhöhtes Risiko

Filed under: Lyriost Aphorismen — lyriost @ 9.27

Erhöhtes Risiko

Wenn wir zu ehrgeizig oder zu illusionsgefüllt sind, laufen wir mit zunehmendem Alter immer mehr Gefahr, in eine Zukunft zu gehen, die daraus besteht, uns selbst um unsere Vergangenheit zu beneiden.

Der sensible Mann

Filed under: Lyriost Gedichte — lyriost @ 9.25

Der sensible Mann

Im kleinen Schwänzchen
so wenig graue Z
ellen
lohnt nicht das Denken.

Vom Glück

Filed under: Lyriost Aphorismen — lyriost @ 9.20

Vom Glück

Kein noch so schwerer Schicksalsschlag macht uns dauerhaft so sicher unglücklich wie unsere übertriebenen Erwartungen und illusorischen Vorstellungen vom dauerhaften Glück.

Schadenfreude und Grausamkeit

Filed under: Lyriost Gedanken — lyriost @ 9.19

Schadenfreude und Grausamkeit

Die Schadenfreude ist die kleine Schwester der Grausamkeit, zahnlos und ohnmächtig. Genau das richtige Ventil für die Guten, Lieben und Netten, um ihrer auch ihnen selbst häufig verborgenen Neigungen Herr zu werden. Sicherlich ein brauchbares Ventil, um Schlimmeres zu verhüten.

Über Angeberei

Filed under: Lyriost Gedanken — lyriost @ 9.17

Über Angeberei

Für den Angeber ist der, der nicht angibt, verdächtig und ein Angeber. Das ist auch einer der Hauptgründe dafür, daß der Angeber angibt, denn er möchte vor seinesgleichen auf gar keinen Fall verdächtig wirken und von ihnen als Angeber betrachtet werden.

Rausch und Wahrnehmung

Filed under: Lyriost Gedanken — lyriost @ 9.15

Rausch und Wahrnehmung

Der Rausch bringt nicht eine Verbesserung der Qualität der Gedanken, er steigert nur die Intensität ihrer Wahrnehmung, und damit bewirkt er, daß der Mensch sich besser versteht.

Arroganz

Filed under: Lyriost Gedanken — lyriost @ 9.14

Arroganz

Arroganz wirkt wie eine Nebelmaschine. Aber nur für den, der diese Haltung in seiner Schwäche nötig zu haben glaubt. Diejenigen, die Objekte einer arroganten Haltung sind, sehen dadurch klarer.

Gebunden

Filed under: Lyriost Gedichte — lyriost @ 9.12

Gebunden

So viele Welten
und trotzdem keine Bindung
so viele Menschen

und dennoch allein mit mir
und immer allein bei dir.

Über Atheisten

Filed under: Lyriost Aphorismen — lyriost @ 9.08

Über Atheisten

Man muß eine Menge Glauben haben, um sich als überzeugten oder bekennenden Atheisten zu bezeichnen.

Freitag, 22. September 2006

Narren und Helden

Filed under: Lyriost Aphorismen — lyriost @ 10.01

Narren und Helden

Die Narren lauern auf den Furz des Helden.

Über das Schreiben

Filed under: Lyriost Gedanken — lyriost @ 9.59

Über das Schreiben

Nie zuvor konnte jemand seine Gedanken so schnell und so ungefiltert in die Welt setzen wie heute: Stift, Papier, Schreibmaschine, Textverarbeitungsprogramm, unwillige Verlage mit ihren eigenen Interessen, blinde Lektoren oder auch scharfsichtige – der ganze Wust von divergenten Bestrebungen und Vorurteilen spielt keine Rolle mehr. In medias res. Ein paar Kabel in den richtigen Steckdosen, eine Computertastatur, und die Gedankenflut kann sich in die Welt ergießen. Es braucht nur einen Mausklick, und du kannst dies hier lesen und – wenn du willst – mir und andern deine Meinung dazu sagen. Allerdings braucht es auch nur einen Mausklick, um dies alles wieder verschwinden zu lassen. Ob das ein Vor- oder ein Nachteil ist, muß sich erst noch erweisen.

Tagtraum

Filed under: Lyriost Gedichte — lyriost @ 9.56

Tagtraum

Die ätzenden Chiffren
im Nacken der Zeit
die nüchternen Stiefel
besudeln mechanisch
das schlohweiße Kleid.

Die Ruhe ist tückisch
ein wandloser Bau
mit zittrigen Säulen
umflattert von Eulen
verwittert im Tau.

Und Narben mit Körpern
aus Blut und Zement
die emsigen Krüppel
verbrennen marschierend
ihr Testament.

Bekenntnisse

Filed under: Lyriost Gedanken — lyriost @ 9.48

Bekenntnisse

Allzu offensiv geäußerte Bekenntnisse sind meistens Ausdruck mangelnder innerer Überzeugung. So macht man sich selbst Mut.

Es

Filed under: Lyriost Gedichte — lyriost @ 7.30

Es

Drückt alles so fest
von innen gegen die Haut
und kommt nicht heraus.

Wohin auch sollte es fliehen.
Kein Ort wo es fliegen kann.

Unvergänglich

Filed under: Lyriost Gedichte — lyriost @ 7.25

Unvergänglich

Jeder Tod ist Täuschung
Leben ist nicht wahr
Rosen Berge Meere:
Trübes Sein wird klar.

Ungezündet brennen
Ende und Beginn
kriechen in den Flammen
zueinander hin.

Wahrgenommen werden
Sinne sind der Sinn
Wachs die harten Hölzer
Ziel: die Hand am Kinn.

Klares Sein wird trübe
wird sich selbst gewahr
Bild im blinden Spiegel:
Trübes Sein wird klar.

Older Posts »

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.