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Freitag, 15. September 2006

Über Gedichtinterpretation

Filed under: Lyriost Gedanken — lyriost @ 6.46

Über Gedichtinterpretation

Wer ein Gedicht analytisch seziert und regelgeleitet interpretiert, läuft Gefahr, das Gedicht gründlich mißzuverstehen. Es ist so, als wenn man einem Lebewesen das Blut abzapfte, um es besser zu begreifen. Gedichtinterpretationen erscheinen manchmal sehr plausibel, und man kann einiges aus ihnen lernen, aber meistens mehr über das Weltbild, die Bildung und den interpretatorischen Ansatz des Rezipienten als über das Gedicht. Von den Intentionen des Dichters ganz zu schweigen.

Es gibt sogar Interpretationsverfahren, die Gedichte zerstören, weil sie die komplexen Wort-und-Sinn-Gebilde auf architektonische Phänomene reduzieren. Mit einer architektonischen Denkweise aber läßt sich ein musikalisches Phänomen nicht erfassen, nicht mal dann, wenn es so streng architektonisch daherkommt wie Bachsche Fugen.

6 Kommentare »

  1. Nee, Interpretationen fand ich schon immer grauenhaft. Und bei den Deutschprüfungen habe ich diese Themen gemieden wie der Teufel das Weihwasser.

    Übrigens – es wird, das Design. Gefällt mir sehr gut inzwischen. Schönes Wochenende!

    Kommentar von synchrono — Samstag, 16. September 2006 @ 8.54

  2. Zitat: *Es ist so, als wenn man einem Lebewesen das Blut abzapfte, um es besser zu begreifen.*

    Sehr gute Formulierung. So fühle ich mich, wenn Leser versuchen, mein lyrisches Ich zu ergründen.

    Lieben Gruß, Maartje

    Kommentar von Maartje — Samstag, 16. September 2006 @ 11.27

  3. Meines Wissens wird ja so einem „Aderlass“ eine recht positive Wirkung zugeschrieben.

    Bedenke, es ist nicht nur für den Spender SEHR HEILSAM, sondern auch für den Empfänger.
    Vorsicht ist nur bei der Dosierung geboten – ausbluten sollte man dabei nicht….

    Kommentar von zartgewebt — Sonntag, 17. September 2006 @ 12.58

  4. …manchmal wäre vielleicht auch eine Eigenblutbehandlung angebracht….

    Oh sorry – verzeih, muss an dem Gerümpel in meinem Tassenschrank liegen – komm` da momentan irgendwie nicht z´schmeißen mit meinen Tassen….

    Kommentar von zartgewebt — Sonntag, 17. September 2006 @ 7.30

  5. Ist das nicht verbotenes Doping?

    Kommentar von lyriost — Montag, 18. September 2006 @ 12.45

  6. Ach Lyriost, manche Verbote schreien förmlich danach gebrochen zu werden.

    Kommentar von zartgewebt — Montag, 18. September 2006 @ 6.17


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