Lyriost – Madentiraden – www.lyriost.de

Montag, 28. Januar 2008

Schweizer Wörter

Filed under: Gedanken — lyriost @ 1.10

Schweizer Wörter

Die Lieblingsausrede von Wortkäseherstellern, die auf Widersprüchliches oder andere Ungereimtheiten in ihren Texten hingewiesen werden: Man solle doch bitte »zwischen den Zeilen lesen«, sonst könne man nicht verstehen, was gemeint sei. Ich schaue dann immer gern zwischen den Zeilen nach, finde aber normalerweise nur käseweißes Papier. Es sei denn, es handelt sich um Texte, die in zensurverseuchten Diktaturen geschrieben wurden.

Jeder Verkäufer von Emmentaler würde gern seinen Käse nach Volumen berechnen, weil er meint, die Löcher seien das Wesentliche. Aber aus gutem Grund geht’s doch nicht nur beim Käse, sondern auch bei Texten nach Gewicht.

Gedanken zur Gewaltdefinition

Filed under: Gedanken — lyriost @ 10.55

Gedanken zur Gewaltdefinition

Eines der Hauptprobleme bei einer weitgefaßten Definition der Gewalt scheint mir zu sein, daß dadurch Legitimierungsanreize für Gewaltbereite entstehen, etwa dahingehend, daß ein unter struktureller Gewalt Leidender die eigene »rohe« Gewaltanwendung rechtfertigt, indem er erklärt, er könne sich nur so wehren, da ihm die strukturelle Macht fehle, sich auf der gleichen Gewaltebene zur Wehr zu setzen. Schließlich läuft die Argumentation von Gewaltanwendern in den meisten Fällen auf die Postulierung einer Notwehrsituation hinaus. Der eigentlich Gewalttätige und die Ursache der eigenen Gewaltanwendung ist immer der andere.

Montag, 12. Februar 2007

Zur Sprache bringen

Filed under: Gedanken — lyriost @ 11.13

Zur Sprache bringen

Immer wieder erstaunlich, was die Leute so alles zur Sprache bringen. Die arme Sprache, wie wird sie zugemüllt. Wenn einer nicht mehr weiterweiß mit seinem Kram, im eigenen Morast zu ersticken droht, dann bringt er alles zur Sprache. Wohin auch sonst?

Bisweilen, wenn ich die Sprache ächzend und schnaubend daherkommen sehe, denke ich, manche Dinge sollte man besser zur Mülltonne bringen – statt zur Sprache.

Tirade 108 – Sitzsprung

Filed under: Lyriost Gedichte — lyriost @ 9.44

Tirade 108 – Sitzsprung

Ist Zeit für den Sprung
bald wirst du kräftig springen
im Sitzen gedacht

gestern dachtest du morgen
und heute denkst du gestern

Sonntag, 11. Februar 2007

Blogigo

Filed under: Gedanken — lyriost @ 12.50

Da bei Blogigo wieder mal nichts läuft, muß ich hier weitermachen. Man sollte so eine Art Führerschein für Bloganbieter einführen.

Samstag, 10. Februar 2007

Positives Denken

Filed under: Gedanken — lyriost @ 2.51

Positives Denken

Wenn etwas, das schon längere Zeit nicht mehr richtig funktioniert und worüber man sich bereits mehrfach beschwert hat, etwa das Telefon oder die Haustürklingel, plötzlich gar nicht mehr piept, denkt man, naiv, wie man ist: Jetzt arbeitet einer dran.

Tatsächlich hat das Ding nur endlich ganz seinen Geist aufgegeben.

Donnerstag, 1. Februar 2007

Am angegebenen Ort

Filed under: Gedanken — lyriost @ 9.33

Vorerst doch wieder:

www.lyriost.de

Freitag, 29. Dezember 2006

Politur

Filed under: Lyriost Gedanken — lyriost @ 9.41

Scheinheiligenscheinpolitur

Seit Jahren schon will ich Politur kaufen für den fremdbeleuchteten pseudoreligiösen Kopfschmuck, der bei mir längst Grünspan angesetzt hat, weil ich ihn, obgleich ein Geschenk von höchster moralischer Instanz, weil ich ihn nicht trage, nicht einmal wie andere ihre Orden und Verdienstkreuze, also zu besonderen Anlässen.

Nun liegt er seit Jahren neben dem alten Katzenkorb, dem die Katzen ausgegangen sind, und gilbt und grünt vor sich hin. Und ich denke jedes Jahr: Du solltest ihn verschenken, ehe er brüchig wird. Aber nicht so angegangen, wie er ist. Und ich weiß dieses Jahr, ohne lange zu überlegen, wie selbstverständlich schon, wem er vor allen zukommt: dem noblen Trommel-Günter – als Ersatz fürs angedepperte In-Kupfer-auf-Stein.

Also Politur kaufen. Gibt keine passende. Jedesmal dasselbe: in rauhen Mengen Heiligenscheinpolitur, aber keine Scheinheiligenscheinpolitur. Der Verkäufer sagt, das mache keinen Unterschied, alles glänze prima, und es habe sich noch nie jemand beschwert. Allerdings habe außer mir auch noch keiner der Herren den Scheinheiligen gespielt. »Und die Kopfkringel der Damen glänzen ja sowieso, ob mit oder ohne Politur«, sagt er.

Als der Verkäufer merkt, daß mit mir kein Geschäft zu machen ist, gibt er mir noch einen Geheimtip aus der Ökoecke: »Eselsmilch. Besser als alle Chemie«, grinst er.

Und ich denke bei mir, da hat er wohl recht. Denn Eselsmilch als Putzmittel für Scheinheiligenscheine, das leuchtet mir geradezu schmerzhaft klar ein.

Dienstag, 26. Dezember 2006

Gravitation

Filed under: Grafik — lyriost @ 3.25

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Der Blick

Filed under: Gedanken — lyriost @ 3.22

blick.jpg

Der Blick

Der Blick geht weit
tief in die Enge
als wär er
aus der Zeit
gewichen

vom Wahn befreit
von aller Strenge
als wär
er heimlich
fortgeschlichen

Ganzheitlichkeit

Filed under: Lyriost Gedanken — lyriost @ 3.13

Esoterische Ganzheitlichkeit

»… So ist der Körper – ein Vehikel. Aber etwas Tieferes als der Körper ist da, etwas Höheres als der Körper ist vorhanden – etwas von der Totalität. Ein Fenster hat sich in die Ganzheit geöffnet.«

Als ich vor 40 Jahren in der Pubertät Plotin las mit seinen platonischen Vorstellungen vom Körper als Kerker der Seele, konnte ich das damals mühelos nachvollziehen und dem vehement beipflichten, stand ich doch mit meinem eigenen Körper wie die meisten Pubertierenden auf Kriegsfuß. Heute aber habe ich eine ganzheitliche Betrachtungsweise, und ich sehe den Körper eher als Verkörperung meiner und seiner selbst. Und wenn etwas klirrt und rattert, dann klirrt und rattert es bei mir selbst. Das auf jemand anderen zu schieben ist so einfach wie unoriginell. Und ein Beitrag zur Theorie der Schizophrenie. Wer das lebendige Seiende in Körper und Seele aufspaltet, ist von einer ganzheitlichen Betrachtungsweise weit entfernt. Merkwürdig nur, daß die meisten der lauthals Ganzheitlichen dies nicht bemerken. Sie reden von Ganzheitlichkeit und verachten doch ihren Körper.
Und wer ganz genau hinschaut, der vermißt bei dieserart esoterischer Ganzheitlichkeit noch eines, was zur wirklichen Ganzheitlichkeit unbedingt dazugehört: den Geist.

Sonntag, 24. Dezember 2006

Weihnachtstirade

Filed under: Lyriost Gedichte — lyriost @ 2.55

Weihnachtstirade

An alle gedacht
an die ich heut denken mag
und auch an mich

die Lichter üben sich warm
glitzern im Herzen wie Schnee

Freitag, 22. Dezember 2006

Apokalypse

Filed under: Grafik — lyriost @ 10.22

apokal.jpg

Himmelskonzert

Filed under: Gedanken — lyriost @ 10.18

skyconcert.jpg

Athaumasie

Filed under: Lyriost Gedanken — lyriost @ 9.02

Athaumasie

Es sind nicht die Dinge oder Geschehnisse, die uns Angst machen, sondern unsere Meinung über sie. Die Dinge können wir im Kern nicht ändern, unsere Meinung über sie aber sehr wohl. So ist auch der Tod nur dann ein Problem, wenn wir ihn als Problem betrachten.

Was wir brauchen, ist eine athaumasische Betrachtungsweise, um zu der Meeresstille des Gemüts zu gelangen, die jeden Schrecken in sich aufnimmt, ohne mit ihm im Innern zu reagieren.

Es ist dann so, als fielen die Beunruhigungen des Lebens wie schmutzige Wassertropfen in einen Ozean.

Donnerstag, 21. Dezember 2006

Sehnsucht

Filed under: Lyriost Gedanken — lyriost @ 9.18

Sehnsucht

Sehnsucht ist eine, wenn nicht die Definition von Leben. Wer die Sehnsucht sterben läßt, ist schon weit auf dem Weg ins Dunkel, er verbrüdert sich mit dem Tod. Ein überflüssiger Akt, denn der Tod grinst im Bewußtsein seiner Macht über eine solche nutzlose Geste der Anbiederung.

Incarnatio continua

Filed under: Lyriost Aphorismen — lyriost @ 9.17

Incarnatio continua

Im Innersten ist Sehnsucht nichts anderes als der ständige Drang allen Seins zur Verkörperung: Incarnatio continua.

Schattenlichter simultan

Filed under: Gedichte — lyriost @ 3.49

Schattenlichter simultan

So wach kein Schlaf
abgeschnitten
die Sorgenschere
schnipp schnapp
mitten im Schlaflosträumen
rostig scharfe Klingen
gespiegelt
das hellwache Glück
traumlos
standhafte Wacht
vor den Räubern
der Nacht.

Augenmaß

Filed under: Lyriost Aphorismen — lyriost @ 3.47

Augenmaß

Nicht alles ist meistens mehr als alles nichts.

Tirade 92 – Ortungsversuch

Filed under: Lyriost Gedichte — lyriost @ 3.04

Tirade 92 – Ortungsversuch

Mit Netzen aus Sand
fischen im fischleeren Meer
schwankender Boden

die Masten ächzen im Wind
schwingende Echolote

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